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Zwischennetz

Will man in der Staatsbibliothek zu Berlin im Internet recherchieren, so kann man dies nur an speziell dafür eingerichteten Computern. Internet scheint in deutschen Bibliotheken noch etwas ganz besonderes zu sein. Man merkt das an mehreren Dingen:

  • Es gibt immer eine lange Schlange vor den Internetrechnern.
  • Bevor man das Internet benutzen kann, muß man die Benutzungsordnung des Deutschen Forschungsnetzwerks akzeptieren.
  • An den Bildschirmen der Internetrechner sind zwei kleine Schildchen angebracht sind. Auf dem ersten Schildchen steht:

„Keine Benutzung ohne gültigen Bibliotheksausweis“

Interessant. Wird der Bibliotheksausweis etwa nicht beim Betreten und Verlassen des Lesesaals kontrolliert? Es sollten sich also eigentlich nur Benutzer der Stabi mit gültigem Ausweis im Lesesaal aufhalten. Wen möchte man also darauf aufmerksam machen, dass die Benutzung der Internetrechner nur mit gültigem Bibiotheksausweis erlaubt ist? Vielleicht die Bibliothekare? Haben die einen gültigen Bibliotheksausweis? Zumindest sollten sie eine Art Arbeitsausweis haben, oder? Sie können also auch nicht gemeint sein. Vielleicht das Reinigungspersonal? Nein, auch die haben ja Ausweise. Wer dann?! Etwa die kleinen Mäuse, die ich gelegentlich unter den Heizkörpern der Vorhalle habe rumflitzen sehen?!

Auf dem zweiten Schildchen steht:

„Bitte Bibliotheksausweis einstecken!“

Und neben diesem Hinweis ist eine kleine Plastikvorrichtung angebracht, in die man den (gültigen) Bibliotheksausweis stecken kann. So kann dann jeder sehen, ob man auch einen gültigen Ausweis hat und ob man also die Erlaubnis hat hier das Internet zu benutzen.

Das nenne ich eine effektive Lösung. Ordnung muß sein, und Kontrolle auch!

Ausweiskontrolle!

Möchte man in der Staatsbibliothek zu Berlin den Lesesaal betreten, so muss man sich ausweisen, mit dem Bibliotheksausweis natürlich. Kann man so nachweisen, dass man berechtigt ist die Bibliothek zu benutzen, stellen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Eingangskontrolle eine Art Passierschein aus (Nicht verlieren!!!). Auf diesem Kontrollzettel wird fein säuberlich vermerkt, wieviele Bücher man in den Lesesaal einführen möchte. Dabei wird unterschieden zwischen eigenen Büchern und Bänden der Staatsbibliothek. Alles hat hier seine Ordnung. Auch für den Fall, dass ein Benutzer mehr als einen Laptop mitbringen möchte ist gesorgt, denn auf dem Passierschein gibt es ein kleines Kästchen, in das sich die Anzahl der mitgebrachten Computer eintragen läßt.

Toll, wie die Stabi an alles denkt!

Möchte man dann nach längerer Arbeit an der Diss endlich den Lesesaal verlassen, so begibt man sich zum Ausgang und zeigt wiederum den Passierschein und den Bibliotheksausweis vor. Ja, Sie lesen richtig, auch den Bibliotheksausweis … auch beim rausgehen … Regel ist Regel … so sind die Vorschriften… Also fischt man, während man versucht einen (oder zwei?) Laptops und ca. 7 Bücher mit der einen Hand zu balancieren, mit der freien Hand den Bibliotheksausweis aus dem Portemonnaie, um ihn dem nicht sonderlich interessierten Ausgangskontrolleur zu zeigen. Auf die Frage, warum man beim Verlassen den Bibliotheksausweis zeigen muss, erklärt der sichtlich genervte Mitarbeiter, dass die Bibliotheksleitung sicher gehen möchte man habe den Ausweis nicht am Arbeitsplatz liegen gelassen. So sei gewährleistet, dass man nach der verdienten Pause den Lesesaal wieder betreten könne!

Toll, wie die Stabi an alles denkt!!!!

Man wünscht sich manchmal, dass die Benutzungsabteilung der Stabi auch bei anderen potentiellen Problemen den Benutzern so tatkräftig und kompetent zur Seite stehen würde. Dass die Staatsbibliothek sich gerade bei der Ausgangskontrolle so stark als Dienstleister profiliert verdient unser aller Respekt. Leider kommen nicht alle Benutzer in den Genuß dieses Services. So wird man beispielsweise als frisch rasierter Krawatten- oder Anzugträger nie an den Bibliotheksausweis erinnert, und auch Professoren und sonstige älter aussehende Kollegen müssen selbst an ihren Ausweis denken. Diese armen Teufel stehen dann zu Scharen vor der Einlasskontrolle und können sich nicht ausweisen.

Sie bitten um unser Verständnis?

Ich dachte ich sehe nicht richtig, als ich heute folgende Nachricht auf einem der zahlreichen Zettel las, mit denen die Staatsbibliothek versucht ihre Benutzer auf dem Laufenden zu halten:

Alle Häuser der Staatsbibliothek werden später geöffnet am 5. Dezember 2006

Liebe Leserinnen und Leser,
wegen einer Personalversammlung wird die Bibliothek am Dienstag, dem 5. Dezember 2006 später geöffnet.

Haus Unter den Linden ab 13.00 Uhr
Haus Potsdamer Straße ab 12.30 Uhr
Zeitungsabteilung im Westhafen ab 13.00 Uhr

Wir bitten um Ihr Verständnis!

Dr. Daniela Lülfing, Leiterin der Benutzungsabteilung,
7.11.06

Wie bitte?!?! Was hab‘ ich da gerade gelesen? Nochmal, diesmal im Klartext: Wegen einer Personalversammlung, bei der alle (!!!) Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die für den reibungslosen Publikumsverkehr der Bibliothek nötig sind für ca 3,5 Stunden anwesend sein müssen, wird die gesamte Staatsbibliothek einen halben Tag lang geschlossen!!!!?!?!?!

Um was für eine Versammlung handelt es sich hier? Muss hier die gesamte Belegschaft über einen eventuellen Streik abstimmen? Was wird hier besprochen, das nicht auch per Email, Telefon, oder Brief kommuniziert werden kann? Und warum muß diese Versammlung während der Öffnungszeiten der Bibliothek stattfinden?!?

Es ist mal wieder typisch für die Staatsbibliothek zu Berlin, daß eine solche Einschränkung der Benutzung nur einen Monat vorher angekündigt wird. Für die Benutzer, die jeden Tag vor Ort sind, mag diese Einschränkung ja noch ohne größere Probleme hinzunehmen sein, aber was ist mit den von auswärts kommenden Forscherinnen und Forschern? Die stehen dann wohl drei Stunden in der Dezemberkälte und dürfen sich am Glühweinstand des Salzburger Landes auf dem Potzdamer Platz wärmen, oder wie stellen Sie sich das vor, Frau Dr. Lülfing?

Auf Verständnis wird das bei den Benutzern sicherlich nicht stoßen.

Bestellen per Computer?

Wie kann es eigentlich sein, daß man bei der Bestellung eines Buches über den Stabikat folgende Meldung bekommt?

Medium wurde zurückgegeben, ist in 5 Tag(en) wieder bestellbar!

Das macht stutzig! Wenn das Medium zurückgegeben wurde und das Computersystem dies auch noch weiß, dann sollte einer weiteren Bestellung doch eigentlich nichts im Wege stehen. Das ist doch das tolle an den Computern. Man kann ihnen was sagen (wie zum Beispiel, daß man ein bestimmtes Buch gerne bestellen möchte) und sie werden es nie vergessen. Ob das Buch momentan unterwegs ins Magazin ist oder nicht, ob das Buch noch ausgeliehen ist oder nicht.

Daß Katalog und Bestellsystem in der Staatsbibliothek zu Berlin zwei unterschiedliche Systeme sind, daran hat man sich als Benutzer ja nun schon gewöhnt. Daß das Bestellsystem ein stümperhaftes Programm ist, welches die chaotischen internen „Verwaltungswege“ nach außen zu vertuschen versucht, ist für die Benutzer eine Zumutung! Jede Dorfbibliothek in Österreich funktioniert besser, als das deutsche Bibliotheksflaggschiff.

Wer sind diese Leute?!

Wie ich es hasse, Bücher aus der Bibliothek lesen zu müssen, in die irgendein bekloppter Idiot Anmerkungen gekritzelt hat. Im Jargon der Staatsbibliothek zu Berlin heisst das „unerlaubte Einzeichnungen“. Diese werden anscheinend genaustens von den Bibliothekaren katalogisiert. Gut so! Ich hoffe die Missetäter werden gefunden und ihrer gerechten Strafe zugeführt. Ich schlage vor, dass man sie mit einer Bibliothekssperre aus dem Verkehr zieht.