Sie bitten um unser Verständnis?

Ich dachte ich sehe nicht richtig, als ich heute folgende Nachricht auf einem der zahlreichen Zettel las, mit denen die Staatsbibliothek versucht ihre Benutzer auf dem Laufenden zu halten:

Alle Häuser der Staatsbibliothek werden später geöffnet am 5. Dezember 2006

Liebe Leserinnen und Leser,
wegen einer Personalversammlung wird die Bibliothek am Dienstag, dem 5. Dezember 2006 später geöffnet.

Haus Unter den Linden ab 13.00 Uhr
Haus Potsdamer Straße ab 12.30 Uhr
Zeitungsabteilung im Westhafen ab 13.00 Uhr

Wir bitten um Ihr Verständnis!

Dr. Daniela Lülfing, Leiterin der Benutzungsabteilung,
7.11.06

Wie bitte?!?! Was hab‘ ich da gerade gelesen? Nochmal, diesmal im Klartext: Wegen einer Personalversammlung, bei der alle (!!!) Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die für den reibungslosen Publikumsverkehr der Bibliothek nötig sind für ca 3,5 Stunden anwesend sein müssen, wird die gesamte Staatsbibliothek einen halben Tag lang geschlossen!!!!?!?!?!

Um was für eine Versammlung handelt es sich hier? Muss hier die gesamte Belegschaft über einen eventuellen Streik abstimmen? Was wird hier besprochen, das nicht auch per Email, Telefon, oder Brief kommuniziert werden kann? Und warum muß diese Versammlung während der Öffnungszeiten der Bibliothek stattfinden?!?

Es ist mal wieder typisch für die Staatsbibliothek zu Berlin, daß eine solche Einschränkung der Benutzung nur einen Monat vorher angekündigt wird. Für die Benutzer, die jeden Tag vor Ort sind, mag diese Einschränkung ja noch ohne größere Probleme hinzunehmen sein, aber was ist mit den von auswärts kommenden Forscherinnen und Forschern? Die stehen dann wohl drei Stunden in der Dezemberkälte und dürfen sich am Glühweinstand des Salzburger Landes auf dem Potzdamer Platz wärmen, oder wie stellen Sie sich das vor, Frau Dr. Lülfing?

Auf Verständnis wird das bei den Benutzern sicherlich nicht stoßen.

10 comments so far

  1. Thomas on

    Zum einen: Du hast es hier mit dem Öffentlichen Dienst zu tun. Da muss man solche Sachen gelegentlich in Kauf nehmen, fürchte ich.

    Zum anderen: Personalversammlungen sind ein ganz normales Arbeitnehmerrecht. Sowas gibt es in den meisten (größeren) Firmen, Ämtern etc. Dass das zentrale Veranstaltungen für die gesamte Belegschaft sind, ist gerade Sinn der Sache. Das ist also keine bewusste Schikane der Bibliothek gegen ihre Benutzer, sondern nur die Wahrnehmung eines Arbeitnehmerrechts.

    Und eine Ankündigung immerhin vier Wochen vorher, das ist doch eigentlich recht viel?!

    Aus Nutzersicht wäre es freilich wünschenswert, wenn man für diesen Tag zumindest einen Notdienst in einem der Standorte anbieten würde anstatt gleich komplett zu schließen.

    (Disclaimer: Ich habe mit der Stabi weder privat noch beruflich zu tun)

  2. Petra on

    Auszug aus Wikipedia:
    Im öffentlichen Dienst (Geltungsbereich der Personalvertretungsgesetze) hat der Personalrat mindestens einmal jährlich eine Versammlung der Beschäftigten (Personalversammlung) einzuberufen.

    Also: nur weil man die Hintergründe nicht kennt, muss man noch nicht bösen Willen unterstellen.

  3. Archivar on

    Hallo Thomas und Petra!

    Vielen Dank für die Kommentare zu meinem Blogeintrag. Ich habe nur ein paar kleine Anmerkungen:

    Mir war auch bewußt, daß eine Personalversammlung ab einer bestimmten Betriebsgröße vorgeschrieben ist. Ich bin überhaupt nicht gegen eine solche Versammlung eingestellt. Im Gegenteil: ich finde es sogar sehr wichtig, daß die Kommunikation in einem Unternehmen gut funktioniert. Personalversammlungen sind in dieser Hinsicht sicherlich ein gutes Mittel, ein produktives Zusammenarbeiten zu ermöglichen.

    Meine Kritik zielte vielmehr auf den Zeitpunkt dieser Personalversammlung und die Art und Weise, wie dieser Termin angekündigt wurde. Ich gebe zu, daß dieser Punkt durch meine starke Polemik nicht klar genug ausgedrückt wurde.

    Allerdings finde ich es falsch, diese Versammlung während der Öffnungszeiten abzuhalten. Die Bibliothek ist Samstags ohnehin nur bis 19 Uhr geöffnet, man könnte eine Versammlung also auf den Samstagabend verlegen. Sollte dies nicht möglich sein, dann müßte man, wie es Thomas in seinem Kommentar weiter oben vorschlägt, eine Art reduzierten Service für die Benutzer anbieten.

    Eine Ankündigung, die vier Wochen vor dem entsprechenden Termin publik gemacht wird, ist meiner Meinung nach für den Großteil der Bibliotheksbenutzer zwar durchaus ausreichend, man sollte jedoch bedenken, daß die Form der oben zitierten Ankündigung zu Missmut bei auswärtigen Benutzern führen könnte. Diese können durch Zettelaushänge gar nicht erreicht werden. Auch planen sie ihre Forschungsaufenthalte in der Regel weit länger als einen Monat im Voraus, was selbst bei einem regelmäßigen Überprüfen der Öffnungszeiten auf den Internetseiten der Staatsbibliothek zu bösen Überraschungen führen kann. (Denn auch hier ist die Schließung erst einen Monat vorher angekündigt worden)

    Warum werden diese sicherlich schon viel länger geplanten Personalversammlungen nicht auf der Seite mit den Öffnungszeiten frühzeitig bekannt gegeben? Anderen Bibliotheken gelingt dies doch auch! Warum nicht der Staatsbibliothek?

    Abschließend eine Entschuldigung. Ich wollte der Staatsbibliothek und insbesondere Frau Dr. Lülfing nicht unterstellen, in böser Absicht gehandelt zu haben. Da Ihr beide meinen Text in diesem Sinne verstanden habt, möchte ich mich für die unscharfe Ausdrucksweise entschuldigen.

    Mit besten Grüßen!

  4. Petra on

    Ich weiß ja nicht, was du mal werden möchtest, ;-) aber schön, dass dein Dienstleistungsdenken so weit geht! Nicht nur, dass es dir nichts ausmachen wird, samstags bis 19.00 Uhr zu arbeiten, nein, sogar noch länger! Von deinem Arbeitswillen kann sich so manche Bank, Versicherungsbüro, Autowerkstatt, Zulieferer… eine dicke Scheibe abschneiden. Auch ich habe weder privat noch beruflich mit der Staatsbibliothek zu tun, aber ich kenne einigermaßen die Einkommensklasse von Bibliotheksangestellten. Dafür würden manche morgens nicht mal aus dem Haus gehen, von Samstagsarbeit ganz zu schweigen. Also gönn den Angestellten einen (!) geschlossenen Vormittag im Jahr, freu dich über samstags (immerhin!) bis 19.00 Uhr, und mach danach fröhlich (und wahrscheinlich verdient) Feierabend!

  5. library mistress on

    externe ForscherInnen werden sich ja vor einer weiten Anreise vergewissern, dass die gewünschten Einrichtungen geöffnet sind, oder?

    ein Monat Ankündigungszeit sollte wohl wirklich ausreichen. Und Samstag abend noch eine Versammlung, da würd ich mich als Mitarbeiterin aber schön bedanken.

  6. Archivar on

    Für die meisten Besucher ist es wohl kein Problem, wenn man aber eine Reise länger als einen Monat vorher plant, dann steht man vor verschlossenen Türen! Viele Wissenschaftler von Übersee planen einen Besuch mehrere Monate im Voraus. Ich glaube es ist kein Problem für die Bibliothek die Termine für Personalversammlungen längerfristig bekannt zu machen.

  7. AG on

    mit der hier gezeigten Mentalität wirds wohl nichts mit dem Wissenschaftsstandort Deutschland. Ich vergewissere mich nicht vor Recherchereisen ins Aus- oder Umland (Nur dann, wenn man bereits negative Erfahrungen gemacht hat, z.B. in Polen, wo die Staatsarchive und zum Teil auch Unibibliotheken eine längere Sommerpause machen). Meist besucht man ja mehrere Bibliotheken und Archive in einem Land/ einer Region und rechnet damit, dass sie außerhalb der gesetzlichen Feiertage eigentlich geöffnet sein sollten. und die Stabi schließt ja auch bei Betriebsausflügen. Diese lassen sich durchaus so organisieren, dass der laufende Betrieb gewährleistet ist.

  8. Philograph on

    also, die TU Bibliothek im sogenannten „Volkswagen-Haus“ hatte kürzlich wegen einer Weihnachtsfeier, ja richtig, einer Weihnachtsfeier, das besagten jedenfalls die Zettel an den verschlossenen Türen, ganze sieben Stunden (ab 14 Uhr statt ab 21 Uhr) früher geschlossen. Und das an einem ganz gewöhnlichen Donnerstagnachmittag… (übrigens war von besagter Feier schon um 16:30 nicht viel zu sehen, machte viel mehr einen dunklen und „verlassenen“ Eindruck, aber vielleicht finden solche Veranstaltungen ja in einem verborgenen Kellergelaß statt, wer weiß…)

  9. library mistress on

    Zumindest in Ö kann die Belegschaft eine Betriebsversammlung einberufen – die kann dann nicht schon Monate vorher bekanntgegeben werden.
    Wenn das eine regelmäßige Veranstaltung, z.B. des Betriebsrates, ist, dann gebe ich der Ansicht recht, dass man das früher bekanntgeben hätte können.

  10. maja on

    bitte bitte.. 6-8 wochen zuvor sollte doch ausreichen!!!


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