Archive for Januar 2007|Monthly archive page

Zurzeit keine elektronische Bestellung möglich

Samstagabende sind geradezu ideale Arbeitsabende. Die Stabi macht samstags ja sowieso schon früher zu, sonntags steht man für gewöhnlich nicht zu früh auf und das Telefon steht still, weil Verwandte und Freunde entweder fernsehen oder das Nachtleben unsicher machen. Ideale Arbeitsbedingungen also für eine gemütliche Lesesession in der eigenen Wohnung. Beim Lesen der in der heimischen Sammlung stehenden Bände stösst man früher oder später ganz sicher auf einen interessanten Literaturhinweis. Diesen bei der Staatsbibliothek zu bestellen, eilt man zum Computer, startet den Browser und begibt sich auf die Seite des von allen geliebten Stabikats. In den unendlichen Weiten der Sammlung findet man auch tatsächlich das benötigte Buch und klickt freudig erregt auf den Bestellknopf! Doch, ach, wie ist die Enttäuschung groß, wenn daraufhin folgende Meldung auf dem Bidschirm erscheint:

Liebe Benutzerinnen und Benutzer!

Um Ihnen trotz des gestiegenen Bestellaufkommens auch zu Wochenbeginn eine rasche und verlässliche Bearbeitung Ihrer Bereitstellungswünsche zu ermöglichen,muss die Staatsbibliothek vorerst die Bestellungen von Literatur per Internet an Sonntagen und Feiertagen einschränken.

Die sonstigen Funktionen des Ausleihsystems, z.B. Verlängerung, bleiben zugänglich.

Samstags ab 19 Uhr bis montags 2 Uhr können daher leider keine Bestellungen per Internet aufgegeben werden.

Wir bitten hierfür um Ihr Verständnis.

Der Leiter der Benutzungsabteilung

Dazu einige Anmerkungen:

1) Die „vorerst“ nötige Einschränkung der Wochenendbestellungen gab es schon vor fast zwei Jahren, als ich das erste Mal mit dem an anderer Stelle noch zu besprechenden Bestellsystem arbeitete. Man wundert sich schon, daß es der Leitung der Benutzungsabteilung in dieser langen Zeit immer noch nicht gelang, das Problem der Überlastung zu beseitigen.

2) Die „rasche und verlässliche Bereitstellung“ der „Bereitstellungswünsche“ mag vielleicht in den Fantasien der Leitung der Benutzungsabteilung existieren, der Alltag eines Benutzers sieht anders aus. Die Bereitstellungsfristen werden länger und länger, bestellte Bände sind „im Geschäftsgang“ oder anderweitig nicht auffindbar. Solche Pannen mögen generell zu verzeihen sein, in einer Bibliothek, die sich auf mehrere Häuser aufteilt, und in der man nur in einem Haus Bände ausleihen kann, ist dies jedoch wirklich eine Zumutung. Benutzer sind ständig zwischen zwei Häusern unterwegs, um bestellte Bücher abzuholen und finden diese dann an der Ausleihe nicht vor. Dabei geht wertvolle Arbeitszeit verloren. So sieht also eine „rasche und verlässliche Bereitstellung“ aus?

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Leihen unter Linden?

Das Leihen unter Linden ist leider nicht mehr möglich. Warum eigentlich? Wie von einigen fleißigen Lesern des Stabiblues angemerkt wurde, ist die Entscheidung, zukünftig keine Bücher zur Ausleihe im Haus Unter den Linden mehr zur Verfügung zu stellen, ein Schlag ins Gesicht für viele Benutzer der Bibliothek.

Grundsätzlich geht es darum, die Bibliothek aufzuteilen in ein Gebäude in dem die historischen Bestände (Haus Unter den Linden als Historische Forschungsbibliothek) zur Verfügung gestellt werden sollen, und ein Gebäude in dem die restlichen Bestände benutzt werden können (Haus Potsdamer Straße als Forschungsbibliothek der Moderne). Einen Überblick über die Zukunft des Hauses Unter den Linden findet sich hier.

Dieser Plan ist sicherlich nicht die logischste und beste Lösung für die Probleme der durch die lange Teilung Deutschlands direkt betroffenen Bibliothek, aber wie ein Leser des Stabiblues erklärte, „egal.. ist so.. müssen wir durch!„. Und das sollte eigentlich auch gehen, wenn denn der direkte Zugang zu den Bänden, die für die Arbeit mit den historischen Quellen nötig sind, gewährleistet ist. Das scheint bei einer maximalen Kapazität des Freihandbereichs im Gebäude Unter den Linden von 460 000 Bänden aufs Erste gesichert.

Es beschleichen den geduldigen Benutzer der Staatsbibliothek zu Berlin dann allerdings doch einige Zweifel, ob die Aufteilung in historische und moderne Bestände wirklich gut durchdacht ist. Was geschieht zum Beispiel mit den Beständen der Musik-, Kinder- und Jugendbuchabteilungen? Diese sollen sich den Plänen gemäß auch nach der Renovierung im Haus Unter den Linden befinden. Können die modernen Bestände dieser Abteilungen dann nur im Haus Potsdamer Straße ausgeliehen werden oder wird dies über die Lesesäale der Abteilungen geschehen? Werden im Haus Potsdamer Straße für diese Abteilungen Handbibliotheken im Lesesaal eingerichtet, die für die Benutzung der modernen Bestände dieser Abteilungen unabdingbar sein werden, oder darf man sich als Benutzer dieser Abteilungen darauf einstellen, künftig zu den Stammgästen der Buslinie 200 zu gehören, die die beiden Häuser verbindet?

Sollte es am Ende statt „Leihen unter Linden“ doch nur wieder „Laien unter Linden“ heißen?